Sebastian Jung : Engel aus Schrott

Marianne-Defet-Malerei-Stipendium

Herausgeber: Institut für moderne Kunst
Texte: Justus Geilhufe, Sebastian Jung, Wolfgang Ullrich
Gestaltung: Sebastian Jung
Broschur, [108 S.]

Die Publikation Engel aus Schrott von Sebastian Jung (*1987) dokumentiert die gleichnamige Ausstellung, die der Künstler von 15. März bis 31. Mai 2026 im Ausstellungsraum des Instituts für moderne Kunst zeigte. Zahlreiche Werk- und Austellungsansichten werden begleitet von einem Text Sebastian Jungs in fünf Akten sowie einem Vorwort von Justus Geilhufe und einem Nachwort von Wolfgang Ullrich.

Sebastian Jungs Projekt entstand während seines fünfmonatigen Aufenthalts in Nürnberg im Rahmen des Marianne-Defet-Malerei-Stipendiums. Er setzt sich darin mit seiner Herkunft aus Ostdeutschland und den Motiven auseinander, die seine Kindheit prägten und bis heute nachhallen – es geht um Bewältigung, aber auch um ein Annehmen und Ankommen im Jetzt. So fanden in der Ausstellung unterschiedlichste Fundstücke und Werkgruppen zu einer facettenreichen und vielschichtigen Gesamtinstallation zusammen, in der der Künstler sich in unterschiedlichten Zuständen und Lebensabschnitten selbst zu begegnen scheint: Objekte und Szenerien, die Erinnerungen an frühe Jugendzimmer evozieren, treffen auf Gemälde und Textfragmente, die ebendiese Motive und Stimmungen reflektieren und die eigene Verwurzelung aus heutiger Perspektive kommentieren. Immer wieder tauchen die für Sebastian Jung typischen skizzenhaften Szenen und Personen auf, mit schwarzen Linien in Büchern über Texte von Bertolt Brecht, auf dadaistische Texte gezeichnet oder auf einem großen, mit bunten Farbflecken übersäten Wandbehang. Auch in ihrer Ausführung blitzt etwas Kindliches auf, und doch entbehren sie jeglicher Naivität – dokumentieren sie doch fast tagebuchartig etwa Impressionen von rechts-nationalistischen Demonstrationen oder Menschen in emotionalen Ausnahmezuständen.
Titelgebend für Installation und Ausstellung sind die Engel aus Schrott – eine Werkserie aus kleinen, figürlichen Objekten. Sie bestehen aus Fundstücken, die Sebastian Jung während seines Nürnberg-Aufenthaltes auf Spaziergängen zusammengetragen hat: Zahnstocher, Kronkorken, undefinierbare Kunststoffteilchen. Sie geben dem Installationsgefüge, in dem vorrangig Themen wie emotionale Bewältigung, die Auseinandersetzung mit dem Einfluss rechter Autoritäten und die Suche nach sich selbst aufscheinen, etwas Humorvolles, fast Hoffnungsvolles. Der Krieger auf dem Katalogcover ist klein, doch er ist gewappnet – und stellt sich dem, was kommen mag.

Die Publikation ist, solange der Vorrat reicht, kostenfrei über das Institut für moderne Kunst oder direkt bei Sebastian Jung erhältlich.